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Bernd Jäger trainiert namibischen Turnnachwuchs

Bernd Jäger trainiert namibischen Turnnachwuchs

Foto: Bernd Jäger (l.) und Jochen Brosche (r.) trainierten einen Monat lang in Swakopmund Namibias Turnelite. +++ Mit Bildergalerie +++

Turnen. China, Japan, USA, Kanada, Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Finnland, Norwegen, Schweden, Schweiz, Russland, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Holland, Türkei und jetzt auch Namibia – Bernd Jäger ist in Sachen „Turnen“ ein Weltreisender. Der Erfinder des „Jäger-Saltos“ am Reck leitete im November und Dezember letzten Jahres einen Kunstturnlehrgang in Swakopmund durch. In Namibias Turnmekka, dem Swakopmunder Gymnastic Club, gab Bernd Jäger den hoch talentierten Top-Turnerinnen, Top-Turnern und dem Turnnachwuchs wertvolle Tipps. Jochen Brosche, langjähriger Turntrainer des TSS Osnabrück, der seit vier Jahren regelmäßig in Swakopmund für die Leistungsturner und Nachwuchsturner Lehrgänge durchführt, trat an seinen Freund Bernd Jäger heran, um ihn zu animieren, ihn doch bei der Arbeit in Namibia zu unterstützen. Brosche traf bei Jäger sofort auf offene Ohren. Und so ging es vom 12. November bis zum 11. Dezember 2019 in den afrikanischen Staat.


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„Namibia ist ein herrliches Land. Die Menschen dort sind außergewöhnlich gastfreundlich“, zeigte sich Jäger überwältigend von den Eindrücken. „Als ich dem Trip zustimmte, dachte ich, ich müsse mein bestes Englisch wieder herauskramen. Doch das brauchte ich gar nicht. In Swakopmund wird viel deutsch gesprochen. Meine Pension hieß ,Kölner Hof‘. Dort sprachen sogar die Kellner deutsch“, stellte Jäger erstaunt fest. „In den Supermärkten kann man alles kaufen, was es auch in Deutschland gibt.“

Bernd Jäger mit Namibias Top-Turnern und dem hoffnungsvollen jungen Nachwuchs.
Bernd Jäger mit Namibias Top-Turnern und dem hoffnungsvollen jungen Nachwuchs.

Und die klimatischen Verhältnisse seien für einen Europäer einmalig schön. „Ich erwartete im afrikanischen Sommer in Namibia unerträgliche Hitze. Doch die Tagestemperaturen von 25 Grad bei einer erfrischenden Prise vom Ozean waren äußerst angenehm. Nachts sanken die Temperaturen auf 12 Grad ab. Ich hätte nie gedacht, dass man in Afrika frieren kann“, erzählt Jäger. „Ich habe viele Deutsche getroffen, die in Namibia überwintern. An der Küste vor Swakopmund gibt es zahlreiche Ferienhäuser, die wie an einer Perlenkette aufgereiht 30 Kilometer nebeneinanderstehen, zu mieten. Und das für 500 Euro pro Monat.“

„The Dome“, die imposante Multifunktionsarena für sportliche und kulturelle Veranstaltungen in Swakopmund wurde 2014 eröffnet. Dort sind die Turner zuhause. An Turnnachwuchs fehlt es nicht. Die Kinder kommen aus sozial schwachen Familien und sehen die Chance, durch das Turnen der Armut zu entfliehen. „Vormittags ist Schule, von 14 bis 19 Uhr wird geturnt“, so Jäger. „Die Aufnahme in das Leistungstraining bedeutet für die Kinder auch regelmäßig Mittagessen zu bekommen.“

„The Dome“, die Heimat Namibias Top-Turner, ist eine moderne und imposante Multifunktionsarena in Swakopmund.
„The Dome“, die Heimat Namibias Top-Turner, ist eine moderne und imposante Multifunktionsarena in Swakopmund.

Im südlichen Afrika Leistungsturnen anzubieten, sei nicht einfach, so Jäger. Dem Gymnastik -Club fehle es oft an einfachen Dingen wie methodischen Hilfsgeräten oder Turnkleidung. Selbst Magnesia sei Mangelware. „Die Miete für ,The Dome‘ beträgt 17000 Euro. Die muss der Club jeden Monat aufbringen. Das kann nur über Sponsoren geschehen, denn die Eltern der Turnkinder können das Geld nicht aufbringen“, weiß Jäger.

Im Club trainieren etliche Ausnahmetalente. „Namibias Hoffnungsträger Nummer 1 ist der 18-jährige Emile Pitt. Ich traue ihm sogar die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio zu“, ist Jäger von den turnerischen Qualitäten des jungen Mannes überzeugt. „Weitere Talente sind Josef Nawamab, Moses Naobeb und Alerechia Naibas.“

Aber auch die Rhythmische Gymnastik hat ihren festen Platz im Swakopmunder Gymnastic Club. Mea-Nina Olivier und ihre Schwester D’laine bereiten sich intensiv auf die Qualifikation zur Teilnahme an der Afrikameisterschaft vor, die im März 2020 in Ägypten stattfindet.

„Namibia war ein tolles Erlebnis“, zieht Bernd Jäger ein überaus positives Fazit seines Afrika-Trips. „Ich habe mich sofort in das Land und die Leute verliebt. Ich war bestimmt nicht das letzte Mal in Swakopmund.“

Bernd Jäger präsentiert seine Olympia- und WM-Medaille (r.).
Bernd Jäger präsentiert seine Olympia- und WM-Medaille (r.).

Zur Person

Bernd Jäger wurde im November 1951 in Kahla (DDR) geboren. Als 24-Jähriger gewann er bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal eine Bronzemedaille im Mannschaftsmehrkampf. Seine beste Einzelplatzierung bei diesen Olympischen Spielen war ein vierter Platz am Barren.

Im Jahr 1974 turnte Jäger bei einem Länderwettkampf in der Schweiz am Reck erstmals den später nach ihm benannten Jägersalto, einen Grätschsalto vorwärts in den Hang, mit dem er im Reckturnen eine Neuausrichtung zu Übungen mit mehr Flugelementen auslöste.

Im gleichen Jahr belegte er bei den Weltmeisterschaften in Warna mit der DDR-Mannschaft den dritten Platz im Mannschaftsmehrkampf sowie in den Einzelwettkämpfen am Reck und am Barren jeweils den fünften Platz.

Bei den DDR-Meisterschaften siegte er 1975 im Mehrkampf, 1973 und 1975 am Reck sowie 1974 und 1975 am Barren.

Bernd Jägers Heimatverein war der ASK Vorwärts Potsdam, bei dem er nach dem Ende der aktiven Laufbahn als Chef-Trainer tätig war. Nach der Wende war er kurzfristig Trainer beim OSC Potsdam. Darüber hinaus wirkte er von 1997 bis 2000 auch als finnischer Nationaltrainer und führte 1997 Jani Tanskanen zum Weltmeistertitel am Reck sowie 1998 Jari Monkkonen zum Vize-Europameister ebenfalls am Reck.

Von 2001 bis 2016 war Bernd Jäger als Sportlehrer bei der VT Rinteln angestellt und führte dort die Kunstturner zu Medaillen auf Landesebene. Seit 2016 ist der weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Turnfachmann Rentner, trainiert und betreut aber noch bis heute die VTR-Leistungsturner.

Bernd Jäger zeigte 1974 zum ersten Mal bei einem Länderkampf in der Schweiz den später nach ihm benannten Jäger-Salto.
Bernd Jäger zeigte 1974 zum ersten Mal bei einem Länderkampf in der Schweiz den später nach ihm benannten Jäger-Salto.