Lilli-Sophie Lindemann macht Schwimmtraining im eigenen Pool mit Rückhaltegeschirr

Foto: Lilli-Sophie Lindemann trainiert im Gartenpool. +++ Mit Video +++

Schwimmen. Es ist bislang nicht das Jahr der Lilli-Sophie Lindemann. Nach einer Lungenentzündung musste die sehbehinderte Schwimmerin Anfang des Jahres eine fünfwöchige Trainingspause einlegen, dann stoppte die Corona-Pandemie den Trainingsbetrieb der 13-Jährigen und zu allem Unglück zog sie sich bei einem Sturz einen Ausrissbruch des Handgelenks zu. Es folgten vier Wochen Gips. Nur gut, dass die Sommer-Paralympics in Tokio ins Jahr 2021 verschoben worden sind. Denn das Schwimmtalent aus Rinteln hat gute Chancen, sich für den Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere zu qualifizieren.


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Die 13-Jährige befestigt unter den Augen von Mutter und Trainerin Michaela Müller-Lindemann das Rückhaltegeschirr.
Die 13-Jährige befestigt unter den Augen von Mutter und Trainerin Michaela Müller-Lindemann das Rückhaltegeschirr.

Seit gut zwei Monaten sind sämtliche Hallen- und Freibäder dicht. „So kann das wichtige Wassertraining leider nicht durchgezogen werden“, erklärt Mutter und Trainerin Michaela Müller-Lindemann. Trotz ihrer Verletzung zog Lilli ein einhändiges Landtraining durch. Das Wohnzimmer wurde zum Fitnessstudio umfunktioniert, mit Zirkeltraining hielt sich die mehrmalige deutsche Jugendmeisterin fit. Die Not macht erfinderisch: Die Mutter kaufte einen 3 x 2,5 Meter großen und 85 Zentimeter tiefen Gartenpool. Dort trainiert Lilli an einem Rückhaltegeschirr befestigt im 18 Grad kaltem Wasser. Sechs Einheiten von zehn Minuten am Tag sind vorgesehen. „Das ist immer eine Überwindung, ins kalte Wasser zu steigen und es ist kein wirklicher Spaß, da das Becken nicht tief genug ist“, meint das ehrgeizige Schwimmtalent. „Es ist eine gute Alternative zum Nichtstun“, meint die Mutter und Trainerin. Die Technik leidet zwar ein wenig, aber das improvisierte Wassertraining ist gut für die Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit. Videos werden vom Schwimmtraining an die Bundestrainerin Ute Schinkitz, an Jugend-Bundestrainerin Susanne Jedamsky und an Berlins Landestrainer Marcus Borsdorf geschickt. Und das Trio gibt wertvolle Tipps und Korrekturen. Ab nächster Woche öffnen die Freibäder und Lilli kann wieder viele Kilometer im Wasser zurücklegen. „Wir bekommen vom SC Porta am Montag und Donnerstag ab 20 Uhr Trainingszeiten und können auch einmal in Rolfshagen trainieren“, berichtet Müller-Lindemann. Der Terminplan der Schwimmer füllt sich so langsam, deshalb muss im Training „nun Gas gegeben werden“. Ende September steht wohl die Qualifikation für die deutschen Kurzbahnmeisterschaften auf dem Programm und Ende Oktober folgt die internationale Deutsche Meisterschaft. „Da sollen gute Platzierungen gerade in ihrer Paradedisziplin Kraul herausspringen“, hofft Müller-Lindemann.

Die Corona-Krise hat auch vor dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) nicht Halt gemacht. „Eigentlich werden im Jahr um die sechs Trainingslager für die Schwimmer aus dem Nationalmannschaftskader durchgeführt, jetzt sind erst zwei in Planung“, berichtet Müller-Lindemann. Die Landesverbände seien nun mehr in die Verantwortung genommen worden.

In den nächsten Wochen wird Lilli also das Hometraining im eigenen Pool nicht vernachlässigen dürfen. Die 13-Jährige ist sehr diszipliniert und mit großem Eifer bei der Sache, doch sie vermisst ihre beste Freundin. „Joy wohnt in Nienhagen bei Celle. Ich würde gerne mal wieder was mit ihr unternehmen“, erzählt Lilli und legt die nächste zehnminütige Trainingseinheit im Pool ein.

Das Wohnzimmer dient dem Schwimmtalent als Fitnessstudio.
Das Wohnzimmer dient dem Schwimmtalent als Fitnessstudio.