Jan-Niklas Droste erlebt eine etwas andere Tour de France

Jan-Niklas Droste erlebt eine etwas andere Tour de France

Foto: Gut geschützt: Jan-Niklas Droste nahm als Teamarzt für Bora-hansgrohe bei der Tour de France teil.

Radsport. Es ist nicht nur das größte Radsportspektakel der Welt, sondern auch das schwerste Etappenrennen im Straßenradsport: Vom 29. August bis 20. September fand die 107. Tour de France statt. 176 Fahrer in 22 Teams gingen an den Start. 146 Fahrer kamen nach 3484,2 Kilometer ins Ziel. Den Sieg bejubelte der Slowene Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) mit einer Endzeit von 87:20,05 Stunden. Damit hatte er 59 Sekunden Vorsprung vor seinem Landsmann Primoz Roglic (Jumbo-Visma). Wieder als Teamarzt im Einsatz war für die deutsche Mannschaft Bora-hansgrohe der Rintelner Jan-Niklas Droste. „Die Belastung war riesig, denn das Hygienekonzept musste ganz penibel umgesetzt werden“, erklärt der 30-Jährige. Durch das Fehlen der Zuschauermassen sei aber der Trubel nicht ganz so groß gewesen. Droste ist seit 2017 der medizinische Leiter des deutschen Profi-Radsportteams Bora-hansgrohe. Bereits zum fünften Mal fuhr der junge Familienvater als Teamarzt bei der Tour de France mit. „Trotz der Corona-Pandemie und den damit verbundenen strengen Auflagen stand für mich ein Verzicht nie zur Diskussion. Das ist mein Job und diesen mache ich auch bei großer Belastung gerne“, verrät der Rintelner, der seit mehreren Jahren in Hamburg wohnt.

Die Fahrer hielten sich ganz penibel an den geforderten Abstand.
Die Fahrer hielten sich ganz penibel an den geforderten Abstand.

Im Vorfeld erstellte Droste zusammen mit seinem Team einen exakten Hygieneplan. Auch der Veranstalter gab strenge Verhaltensregeln vor. Die Fahrer sowie die gesamte Mannschaft um das Team wurden darauf sensibilisiert. „Wir waren in unserer Blase für mehrere Wochen von der Außenwelt abgekapselt“, stellt Droste klar. Die Arbeitsprozesse seien bis ins kleinste Detail genau geregelt gewesen. „Über mehrere Wochen habe ich nichts anderes gesehen als die Hotelzimmer, den Teambus oder den Zielbereich. Jedes Team hatte im Hotel einen eigenen Flur und einen eigenen Speisesaal. Es war allen bewusst, dass es bei zwei positiven Covid-19-Tests für das Team nach Hause gehen würde. Und das konnten wir uns als Profimannschaft beim bedeutendsten Radrennen der Welt nicht erlauben“, weiß Droste. Da sei die Anspannung in dieser Zeit bei allen Teammitgliedern sehr groß gewesen. „Es war halt nicht möglich, mal einen Cappuccino in einem Café zu trinken“, unterstreicht Droste die klaren Regeln. Die Einschränkungen nahmen aber alle gerne in Kauf. Denn die Alternative wäre die Aussetzung der Radsportsaison gewesen. „Alle waren froh und es ist ein großes Privileg bei der Tour de France als Team und Fahrer dabei sein zu können und aufgrund der Pandemie überhaupt Rennen zu fahren“, sagt Droste. Das Fehlen der begeisterten Zuschauer sei schon eine Umstellung gewesen. Doch jeder war total fokussiert auf seine Aufgabe.


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Der 30-Jährige blickt zufrieden auf das größte Radrennen der Welt zurück. „Ich bin froh, dass unser Hygienekonzept funktioniert hat und sich alle vorbildlich daran gehalten haben. So fühlten sich alle relativ sicher“, meinte Droste. Normalerweise sei es üblich, nach zwei Wochen einen Arztwechsel vorzunehmen. Doch diesmal fiel dieser aus. „Es wurde jedes Risiko minimiert, jeder weiterer Kontakt sollte vermieden werden“, verrät der Rintelner Teamarzt. So blieb Bora-hansgrohe von allem Unheil verschont. Natürlich gab es die obligatorischen Stürze und kleinere Wehwehchen bei den Fahrern, die Droste zusammen mit seinem Team von Physiotherapeuten, aber gut in den Griff bekamen hat.

Im Zielbereich war nach den Rennen nicht viel los.
Im Zielbereich war nach den Rennen nicht viel los.

Während die medizinische Versorgung für das deutsche Team Bora-hansgrohe mal wieder top war, verlief die große Schleife durch Frankreich aus sportlicher Sicht nicht ganz optimal. Klassementsfahrer Emanuel Buchmann war nach seiner Verletzung im Vorfeld der Tour nicht bei 100 Prozent. Nach dem sensationellen Platz 4 im Vorjahr reichte es für den 27-Jährigen diesmal nur zu Platz 38. Auch Supersprinter Peter Sagan blieb ohne Etappenerfolg und verpasste den Gewinn des Grünes Trikots für den besten Sprinter. Der Routinier belegte in dieser Wertung Rang zwei mit 284 Punkten. Gewinner war Sam Bennett mit 380 Punkten. Dafür sprang Lennard Kämna in die Bresche und holte sich den Sieg nach einer super Leistung auf der 16. Etappe. „Das war für das Team ein erlösender Moment und hat die Tour dann doch für alle versüßt“, weiß Droste.

Für Droste war die Saison nach der Frankreich-Rundfahrt aber noch lange nicht beendet. Zuletzt hielt sich der Rintelner für zehn Tage in Belgien auf und begleitete die Fahrer von Bora-hansgrohe bei drei Radsportklassikern. Auch die aktuell laufende Vuelta durch Spanien verfolgt Droste, aber nur im Hintergrund. „Dann ist erstmal eine kurze Pause bevor im Dezember die Saisonvorbereitung wieder startet“, verrät Droste. Wann der 30-Jährige mit seiner Frau und seinem Sohn wieder auf einen Heimatbesuch nach Rinteln kommt, steht noch nicht fest. „Als Teamarzt muss ich ein Vorbild sein, deshalb ist meine Familie sehr diszipliniert. Wenn sich die Lage entspannt hat, werde ich bestimmt meine Eltern besuchen kommen“, erklärt Droste und freut sich nun, viel Zeit mit seiner kleinen Familie verbringen zu können.

Jan-Niklas Droste ist seit 2017 der medizinische Leiter für das deutsche Profi-Radsportteam Bora-hansgrohe und war zum fünften Mal bei der Tour de France als Teamarzt im Einsatz.
Jan-Niklas Droste ist seit 2017 der medizinische Leiter für das deutsche Profi-Radsportteam Bora-hansgrohe und war zum fünften Mal bei der Tour de France als Teamarzt im Einsatz.