Eine Ära geht bei der HSG Exten-Rinteln zu Ende

Eine Ära geht bei der HSG Exten-Rinteln zu Ende

Foto: Nach zwölf Jahren ist Schluss: Der ehemalige HSG-Chef Christian Winter hat nun viel Zeit für seinen Sohn Ben.

Handball. Bei der HSG Exten-Rinteln ist Anfang Juni eine Ära zu Ende gegangen. Nach zwölf Jahren als 1. Vorsitzender und weiteren vielen Jahren als Spieler der ersten und zweiten Herrenmannschaft übergab Christian Winter das Kommando an Hanns Bäkmann. „Ich brauche eine Pause und übergebe den Verein in einem guten Zustand. So viele Jugendmannschaften wie die HSG aktuell hat, sind selten zu finden“, freut sich der 42-Jährige auf sein Sabbatjahr.

Das erste Mal Handballluft schnupperte Winter im Jahr 1986. Sein Klassenkamerad und Freund Jan Mumme schleppte ihn mit zum Training. „So landete ich montags und donnerstags beim E-Jugend-Training des TSV Eintracht Exten“, verrät Winter. Seine Karriere begann er im Tor. Mit einem gehaltenen Siebenmeter in der Schlusssekunde wurde Winter und sein Team mit der C-Jugend Kreismeister. Im zweiten C-Jugend-Jahr wechselte Winter ins Feld und war fortan im Rückraum zu Hause. Nach nur einem Jahr in der A-Jugend der JSG Exten/Rinteln suchte Winter sein Glück bei der SuS Veltheim. „Es wurde viel Geld in die erste Mannschaft gesteckt, die in der Oberliga spielte. Da sind viele Talente übersehen worden“, kritisiert Winter. Mit seinem VW-Polo sammelte er die alten Extener Mitspieler Marco Brill, Marc Rehling und Felix Kortemeier ein. Aus der SuS Veltheim wurde die HSG Porta Westfalica und deren Landesliga-Trainer Michael Korsen war ein großer Fan von Winter. „Ich schaffte als 18-Jähriger den Sprung in den Herrenkader, doch sagte wenige Stunden vor dem ersten Punktspiel ab und ging zurück nach Exten. Das war mein größter sportlicher Fehler“, erinnert sich Winter zurück. In Exten verpasste das junge Nachwuchstalent einen Kaderplatz, erst als sich das Team aufgrund von finanziellen Problemen am Ende der Saison 1997/98 auflöste, konnte Winter noch zwei Spiele in der Oberliga machen.


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Dann begann seine schönste Handballzeit. Der Neuaufbau wurde unter dem Namen HSG Exten-Rinteln vollzogen. Jürgen „Eddy“ Franke war Trainer und dem ehemaligen Bundesliga-Spieler stand nur ein kleiner Kader zur Verfügung. „Unter fast profihaften Bedingungen wuchs die Mannschaft zu einer Einheit zusammen, echte Freundschaften sind in dieser Zeit entstanden“, sagt Winter. Die HSG pendelte in den nächsten Jahren zwischen der Kreis- und Bezirksliga. Im Jahr 2004/05 kümmerten sich Holger Müller und Winter um das „Drum herum“ bei der Ersten. Das Duo sammelte viel Geld bei Sponsoren ein. „So traten wir die Auswärtsfahrten mit einem hoch modernen Reisebus an und hatten alles an Ausstattung, was das Handballer-Herz begehrt“, berichtet Winter. Kurz vor Saisonende musste Trainer Peter Röver gehen und Winter übernahm als Spieletrainer für wenige Spiele.

Drei Jahre später war Winter plötzlich HSG-Chef. „Keiner wollte es machen und ich sah meine HSG den Bach runter gehen. Da sagte ich zu“, erinnert sich der 42-Jährige. Matthias Wuttig war seine rechte Hand, Holger Müller seine linke. Mit der Handball-WM in Deutschland im Rücken und engagierten Jugendtrainern wie Stefanie Pawel, Svenja Timm, Nadia Lampe, Frank Petri und Winter selbst ging es mit der Jugendarbeit bergauf. „Das waren die Erfolgsgaranten“, sagt Winter. Aber als HSG-Chef gab es auch Enttäuschungen. „Wir waren uns mit meiner Handball-Ikone Frank-Michael Wahl schon einig. Der Rekordnationalspieler sollte die Mannschaft in der Saison 2008/09 als Trainer übernehmen. Doch kurz vor dem Saisonstart sagte Wahl ab und heuerte in Stadtoldendorf an“, berichtet Winter über seine größte Enttäuschung als HSG-Vorsitzender.

Die Spielerkarriere von Winter in der Ersten endete während der Serie 2009/10. In der Winterpause riss sich „Mister HSG“ beim Fußballspielen den Meniskus und zog sich zudem einen Knorpelschaden zu. „Damit hatte ich mehr Zeit, um mich um organisatorische Dinge zu kümmern“, sagt Winter. Zusammen mit Holger Müller verpflichtete das Duo Saulius Tonkunas als Damentrainer. „Unser Budget war klein, die Hoffnungen gering, aber Saulius sagte zu“, freut sich Winter über den Coup. Die Ära Tonkunas bei der HSG begann, im Jahr 2010/11 übernahm der Litauer noch zusätzlich den Posten des Herrentrainers. Die Jugendarbeit trug erste Früchte und einige Nachwuchstalente wurden in das Herrenteam integriert.

Winter war bei der HSG „Mädchen für alles“, neben seiner Aufgabe als Präsident, noch Jugendtrainer und Schiedsrichter. „Ich kämpfte vergeblich gegen die Einführung der Hallen-Nutzungsgebühren und es juckte wieder im Arm. So feierte ich ein Comeback in der Zweiten“, erklärt Winter. Die Erste stieg als Fünftletzter in den Kreis wieder ab. „Das war bitter, aber die Aufstiegsfeier mit einer 40:0-Bilanz im Jahr darauf umso schöner“, berichtet Winter. Die Erste spielte in der Regionsoberliga stets gegen den Abstieg bis Tonkunas eine Idee hatte. Der Trainer holte in der Saison 2015/16 mit Rosvaldas Ramunis einen litauischen U-21-Nationalspieler nach Rinteln. „Zuerst habe ich gedacht, Saulius hat einen Vogel, aber wir zogen das durch, fanden einen Sponsor, der die Ausbildungsentschädigung zahlte“, verrät Winter. Ganz neue Aufgaben kamen auf Winter hinzu: Jobsuche, Ämtergänge, Jobcenter-Besuche, Wohnungssuche und Einrichtung der Wohnung. „Das nahm sehr viel Zeit in Anspruch, aber wir wurden Vierter in der Regionsoberliga. Eimantas Grimuta verstärkte ein Jahr später die Litauer-WG und wir stiegen in die Landesliga auf“, erinnert sich Winter.

Nach der Saison 2017/18 hing Winter seine Handballschuhe an den Nagel. „Mit 40 Jahren und 31 Jahren als aktiver Handballer reichte es mir“, begründet Winter seinen Rückzug als Spieler. Die erste Herrenmannschaft war in der Landesliga angekommen. „Doch ohne Aufwandsentschädigungen an deutsche Spieler zu zahlen, findet man keine Neuzugänge. So schlugen wir abermals in der litauischen 1. Liga zu, aber es klappte nicht mit dem Klassenerhalt“, erklärt Winter.

„Mister HSG“ kam an seine Grenzen: Überstunden und Urlaubstage gingen drauf, um Dinge für den Handball zu regeln. Das Familienleben litt. Winter zog sich zurück, leitete aber im vergangenen Jahr als Schiedsrichter über 50 Spiele in einer Saison. „In mir reifte der Entschluss, die Geschicke der HSG in andere Hände zu legen. Mit Hanns Bäkmann ist ein guter Nachfolger gefunden worden“, sagt Winter und freut sich, die Geschehnisse als Handballrentner zu beobachten.

Winter wird in den nächsten Wochen und Monaten als alleinerziehender Vater viel Zeit mit seinem Sohn Ben verbringen. „Ich begleite ihn zu seinen Fußballspielen am Wochenende, kicke bei den Altsenioren des SC Rinteln und habe ein großes Haus mit Grundstück. Da wird mir nicht langweilig. Aber ich werde der HSG immer die Daumen drücken“, freut sich Winter auf seinen neuen Lebensabschnitt.