Reinhard Schlömer träumte von einer Profikarriere beim 1. FC Köln

Reinhard Schlömer träumte von einer Profikarriere beim 1. FC Köln

Foto: Reinhard Schlömer begleitet seinen Enkel Niklas Siepe im Fußball zuerst als Trainer und nun als Fan.

Fußball. Der Sport spielt im Leben von Reinhard Schlömer immer eine große Rolle. In den jungen Jahren war der heute 75-Jährige ein sehr talentierter Fußballer und träumte von einer Profikarriere beim 1. FC Köln. Der Vorvertrag war schon unterschrieben, doch dann brach sich der Torjäger das Schien- und Wadenbein und der Traum von einer Fußballerlaufbahn war geplatzt. Heute schwingt der rüstige Rentner noch eifrig den Tennisschläger und verpasst zudem kein Spiel seines Enkelsohnes Niklas Siepe, der für den Landesligisten VfR Evesen seine Fußballschuhe schnürt.

Schlömer (2. v. rechts) im Dress des SV Obernkirchen in den Jahren 1968 und 1969. Mit dem SVO spielte der Torjäger in der Verbandsliga.
Schlömer (2. v. rechts) im Dress des SV Obernkirchen in den Jahren 1968 und 1969. Mit dem SVO spielte der Torjäger in der Verbandsliga.

Schlömer wurde im Jahr 1945 in Eilvese geboren. In der 800-Seelen-Gemeinde gab es damals zwar einen Fußballverein, aber ohne Jugendabteilung. Mit dem Fußball kam Schlömer in der Schule zum ersten Mal in Berührung. Als er in der 2. Klasse war, wurde er als Neunjähriger in die Schulmannschaft aufgenommen und spielte dort mit Kindern, die bis zu sechs Jahre älter waren. „Meine ersten Fußballschuhe waren vier Nummern zu groß. Aber ich hatte sie immer an, am liebsten hätte ich sie sogar nachts getragen“, erinnert sich Schlömer.

Mit zwölf Jahren zogen seine Eltern nach Köln. Schlömer schloss sich Deutz 05 an. Schnell wurde sein außergewöhnliches Talent entdeckt. Er war ein Instinktfußballer, beidfüßig und blitzschnell, hatte eine sehr gute Technik, einen platzierten Schuss und war der Torjäger vom Dienst. Zudem schoss er alle Elfmeter und war extrem kopfballstark. „Durch meine Sprungkraft übertrumpfte ich viele größere Spieler“, weiß Schlömer. Mit 14 Jahren wurde er in die Schülernationalmannschaft berufen. Sein erstes Spiel bestritt er vor 90.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion. Nach sechs Spielen im Nationaldress wechselte der Spieler mit der Rückennummer neun mit 16 Jahren in die Jugendnationalmannschaft.


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Schlömer (links) im Dress des SV Obernkirchen in den Jahren 1968 und 1969. Mit dem SVO spielte der Torjäger in der Verbandsliga.
Schlömer (links) im Dress des SV Obernkirchen in den Jahren 1968 und 1969. Mit dem SVO spielte der Torjäger in der Verbandsliga.

Der 1. FC Köln schloss mit dem damals 16-Jährigen einen Vorvertrag ab. „Dafür erhielten meine Eltern 60 Mark“, verrät Schlömer. Im Herrenalter sollte er zum „Effzeh“ wechseln. Der Goalgetter träumte von einer Profilaufbahn. Aber die Fußballkarriere nahm ein jähes Ende. Mit 18 Jahren erlitt Schlömer einen Schien- und Wadenbeinbruch. „Ich musste fünf Monate lang Gips tragen, durfte sieben Monate nicht auftreten und drei Jahre keinen Leistungssport machen“, erzählt Schlömer. Damit war der Traum vom Fußballprofi für Schlömer beendet, bevor er richtig losging. „Meine Spezialität war der Seitfallstoß mit der Hacke“, berichtet Schlömer.

Der Fußball ließ ihn nicht los, der Torjäger machte einen Trainerschein und ging zur Bundeswehr. Schlömer war bei den Heeresfliegern in Bückeburg stationiert und lernte am Doktorsee seine Frau Irmgard kennen, mit der er seit 53 Jahren glücklich verheiratet ist. 1967 zog er nach Rinteln und schnürte für den SV Obernkirchen unter Trainer Helmut Rödenbeck in der Verbandsliga noch einmal seine Fußballschuhe. Zwei Jahre später ließen beide Knie eine Fortsetzung seiner Laufbahn nicht mehr zu. Danach war Schlömer über ein Jahrzehnt Trainer beim FC Hevesen, SV Engern, TSV Steinbergen, TuS Niedernwöhren und TuS Kleinenbremen. Doch sein Job als Verkaufsleiter im Außendienst und seine Familie beanspruchten zu viel Zeit, sodass Schlömer sich aus dem Fußball zurückzog. Aber er blieb sportlich und entdeckte seine Leidenschaft für den „Weißen Sport“. Bis heute spielt er noch regelmäßig Tennis beim TV RW Rinteln.

Schlömer (am Ball) im Dress des SV Obernkirchen in den Jahren 1968 und 1969. Mit dem SVO spielte der Torjäger in der Verbandsliga.
Schlömer (am Ball) im Dress des SV Obernkirchen in den Jahren 1968 und 1969. Mit dem SVO spielte der Torjäger in der Verbandsliga.

Über 25 Jahre war Schlömer aus dem Fußballgeschäft draußen. Er war mittlerweile Opa geworden und sein Enkelsohn Niklas war ein begeisterter Kicker. „Er hat viel Talent vom Opa mitbekommen“, freut sich der stolze Großvater. Deshalb entschloss sich Schlömer als Jugendtrainer beim SC Rinteln einzusteigen. Im C-Juniorenalter heuerte Niklas beim höherklassigen VfL Bückeburg an und Opa Reinhard ging mit, fungierte als Cotrainer unter Andreas Paker und Thorsten Rinne. Und so ganz nebenbei lehrte er den Schülern an den Rintelner Grundschulen Nord und Süd das Fußball- und Tennisspielen. „Mir hat die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen immer sehr viel Freude bereitet“, berichtet Schlömer. Als Niklas der Jugend entwachsen war, beendete Schlömer vor vier Jahren seine Trainertätigkeit.

Der 75-Jährige blieb aber dem Fußball treu und fiebert nicht nur mit dem 1. FC Köln mit, er ist auch bei jedem Landesliga-Spiel seines Enkels dabei. „Egal ob Heim- oder Auswärtsspiel, ich stehe an der Seitenlinie, mache Fotos und feuere Niklas an. Meine Stimme hört man während der 90 Minuten des Öfteren“, erklärt Schlömer. Sein Enkel Niklas habe eine gute Technik, einen platzierten Schuss und ein großes Spielverständnis. „Der VfR Evesen hat eine richtig gute Truppe beisammen. Vielleicht gelingt sogar der Durchmarsch in die Oberliga“, mutmaßt Schlömer. Sollte der Aufstieg des VfR gelingen, dann wird er auf jeden Fall dabei sein und den Jubel fotografisch festhalten. „Das Fotografieren ist ein weiteres Hobby von mir. Leider gibt es von meiner aktiven Laufbahn so gut wie keine Fotos. Das war früher halt nicht üblich“, berichtet Schlömer.

Nach vielen Knieoperationen jagt Schlömer heute noch der gelben Filzkugel hinterher.
Nach vielen Knieoperationen jagt Schlömer heute noch der gelben Filzkugel hinterher.