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Hans-Georg Dlugosch: Vom Straßenfußballer zum Torjäger und Erfolgstrainer des SC Rinteln

Hans-Georg Dlugosch: Vom Straßenfußballer zum Torjäger und Erfolgstrainer des SC Rinteln

Foto: Hans-Georg Dlugosch brillierte als Spieler des SC Rinteln mit seinem Torriecher und starkem Kopfballspiel.

Fußball. Hans-Georg Dlugosch hat sich in Rinteln und Umgebung einen Namen gemacht. Der 66-Jährige ging viele Jahre erfolgreich für den SC Rinteln auf Torejagd, stürmte für den TuS Hessisch Oldendorf in der Verbandsliga und schnürte auch für ein Jahr die Fußballschuhe beim FC Stadthagen. Zudem trainierte „Hansemann“ über ein Jahrzehnt die Fußballer vom Steinanger. Unter seiner Regie gehörte der SCR im Bezirk zur Spitzengruppe und verpasste nur hauchdünn den Aufstieg in die Bezirksoberliga – der heutigen Landesliga. „Ich habe eine halbe Ewigkeit beim SCR verbracht“, unterstreicht Dlugosch. Aber auch als Amtsleiter der Stadt Rinteln hatte der Fan der Borussia aus Mönchengladbach stets ein offenes Ohr für die Vereine aus dem Stadtgebiet. Nach 48 Jahren im öffentlichen Dienst wurde Dlugosch am vergangenen Freitag (4. Juni) von Rintelns Bürgermeister Thomas Priemer in den Ruhestand verabschiedet.


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Schon in jungen Jahren entwickelte Dlugosch eine große Leidenschaft für den Fußball. Sein zweites Zuhause war der Bolzplatz „Unter dem Stiderfeld“. Viele Stunden verbrachte der begeisterte Straßenfußballer dort mit seinen Freunden. „Da habe ich das Kicken gelernt. In den Verein bin ich erst mit circa 14 Jahren eingetreten“, erinnert sich Dlugosch an seine Kindheit zurück. Auf dem Bolzplatz wurden so einige Schlachten geschlagen. „Super waren die Freundschaftsspiele gegen die Jungs vom SV Engern“, berichtet er mit einem Grinsen im Gesicht.

Beim SC Rinteln brillierte Dlugosch von Beginn an als Stürmer. „Ich war schnell und beweglich, hatte eine super Sprungkraft und dadurch ein gutes Kopfballspiel. Zudem konnte ich mich immer in den 1-gegen-1-Situationen gut durchsetzen“, verrät der Torjäger seine Stärken. Zusammen mit Thomas Bedey bildete Dlugosch beim SC Rinteln über viele Jahre ein gefürchtetes Torjäger-Duo. Über 20 Tore pro Saison waren stets gebucht. Zweimal stieg Dlugosch als Spieler mit dem SCR in die Bezirksliga auf.

Der SC Rinteln mit Trainer Wirausky (von links), Andert, Neugebauer, Ludewig, Czekalla, Schimmel, Everding, Hänsel, Lohse, Nagel, dem blutjungen Dlugosch und Janson.
Der SC Rinteln mit Trainer Wirausky (von links), Andert, Neugebauer, Ludewig, Czekalla, Schimmel, Everding, Hänsel, Lohse, Nagel, dem blutjungen Dlugosch und Janson.

Seine Tore sprachen sich rum und so heuerte der treffsichere Stürmer beim damaligen Aushängeschild TuS Hessisch Oldendorf an. Auf Anhieb gelang ihm unter Trainer Manfred „Manni“ Kühne in der Aufstiegsrunde als Tabellenzweiter der Sprung in die Verbandsliga. „Der Coach schenkte mir als junger Spieler sein Vertrauen“, berichtet Dlugosch. Die drei Jahre beim TuS waren eine andere Fußballwelt. „Da herrschten semi-professionelle Bedingungen. Zu den Spielen im Waldstadion kamen über 1000 Zuschauer“, erinnert sich Dlugosch. Nach einer kurzen Stippvisite beim FC Stadthagen kehrte Dlugosch zu seinem Heimatverein zurück.

Er avancierte zum Co-Trainer von Trainerlegende Helmut Wirausky und nach seinem Rückzug wurde Dlugosch Trainer beim SCR. „Zunächst stand ich sogar noch als Spieler auf dem Platz“, erklärt die Rintelner Vereinsikone. Auch als Coach wusste Dlugosch zu überzeugen. So setzte er auf einen guten Mannschaftsgeist, auf eine Top-Kondition, auf unbändigen Kampfeswillen, glänzte immer als Teamplayer und organisierte viele Male die legendären Trainingslager-Fahrten des SCR zum Tegernsee. „Wir trainierten auf Kunstrasen in Bad Wiessee. Das war vor 25 Jahren ein richtiges Highlight für alle“, verrät Dlugosch. Auch als Coach feierte er viele Erfolge, aber es gab auch traurige Ereignisse. So fehlte den Rintelnern nur Sekunden zum Aufstieg in die Bezirksoberliga. „Das wäre ein Meilenstein gewesen“, glaubt Dlugosch. Doch der SCR kassierte auf dem Steinanger in der Nachspielzeit gegen den SV Marhorst den späten 2:2-Ausgleich, sodass die Sulinger jubeln konnten.


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Dlugosch engagierte sich aber nicht nur als Spieler und Trainer für den SCR. Er arbeitete auch im Vorstand mit, übernahm Verantwortung als sportlicher Leiter und kümmerte sich um die Trainingsabende des SCR-Fördervereins. Als „SC Real“ spielten die Rintelner Unterstützer gegen die Sponsorenteams aus Bückeburg und Stadthagen.

Dlugosch hatte aber auch stets einen Blick auf seinen beruflichen Werdegang und besuchte viele Weiterbildungen. Im Jahr 1994 wurde er Amtsleiter. Und so zog er sich Anfang der 2000er Jahre aus der sportlichen Verantwortung beim SC Rinteln zurück. „Dreimal die Woche Training, dazu führte ich viele Telefonate für den Verein, das war mit dem Job nicht in Einklang zu bringen“, verrät er und zog einen Schlussstrich, kickte aber weiter mit viel Herzblut im Altsenioren-Bereich. Auf eine gute Kommunikation, auf ein gutes Miteinander legte er stets großen Wert. „Die Kontaktpflege liegt mir sehr am Herzen, das ist in Zeiten von Corona leider nicht so möglich und fehlt mir schon sehr“, meint der Ruheständler. Als eine der letzten Amtshandlungen brachte Dlugosch zusammen mit Rintelns Bürgermeister Thomas Priemer sowie der Arbeitsgemeinschaft Rintelner Sportvereine das Projekt „Kunstrasenplatz“ ins Laufen. „Es bestehen nun realistische Aussichten, dass der Bau am Schulzentrum klappt“, freut sich Dlugosch. Das wäre für alle Fußballvereine aus dem Stadtgebiet eine tolle Sache.

Als Trainer konnte sich Dlugosch immer über eine gute Trainingsbeteiligung freuen.
Als Trainer konnte sich Dlugosch immer über eine gute Trainingsbeteiligung freuen.

Auf Hans-Georg Dlugosch trifft das Lied von Udo Jürgens „Mit sechsundsechzig Jahren, da fängt das Leben an; mit sechsundsechzig Jahren, da hat man Spaß daran; mit sechsundsechzig Jahren, da kommt man erst in Schuss; mit sechsundsechzig ist noch lange nicht Schluss“ haargenau. Der 66-Jährige ist eine richtige Sportkanone. Er geht einmal die Woche im Wald laufen, fährt Fahrrad und spielt immer noch mit seinen langjährigen Weggefährten in der Alt-Senioren-Mannschaft des SCR. „Wir sind eine lustige Truppe“, findet er. In Zukunft wird Dlugosch zum Tennis- und Golfschläger greifen. „Von meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich einen Golf-Schnupperkurs geschenkt bekommen und außerdem werde ich mit meinen Freund Henning Czekalla einige Matches auf roten Sand bestreiten“, berichtet Dlugosch.

Heute geht der 66-Jährige immer noch für die Alt-Senioren-Mannschaft des SC Rinteln auf Torejagd.
Heute geht der 66-Jährige immer noch für die Alt-Senioren-Mannschaft des SC Rinteln auf Torejagd.

Dlugosch lernte in den vielen Jahrzehnten im Fußball viele gute Kicker kennen. Deshalb endet die Traum-Elf des 66-Jährigen auch nicht mit elf Spielern. „Und ich werde trotzdem mit Sicherheit den einen oder anderen Namen vergessen haben. Das bitte ich zu entschuldigen“, sagt er und ergänzt: „Ich durfte mit allen Genannten zusammenspielen. Das war eine große Freude für mich.“

Tor:
Frank Kuhlmann – ein überragender Keeper, sehr trainingsfleißig, extrem reaktionsschnell und ausgestattet mit einer unheimlichen Sprungkraft.
„Patchen“ Neugebauer – war die Ruhe in Person, bärenstark auf der Linie und stand fast immer goldrichtig.
Abwehr:
Hans-Jürgen Schwaneberg – hat als eisenharter Vorstopper und herausragender Zweikämpfer jeden Angreifer abgekocht.
Dittmar Schönbeck – verfügte über eine grandiose Übersicht, war unser Dirigent der Abwehr und glänzte mit starkem Spielverständnis.
„Heini“ Schimmel – war beim SC Rinteln ein legendärer Linksverteidiger.
Olaf Lechinger – hatte eine überragende Übersicht und war sehr kopfballstark.
„Manni“ Piecha – eine kleine „Dreckssau“, ging keinem Zweikampf aus dem Weg und schonte weder sich noch seine Gegenspieler.
Sebastian Blaumann – hatte ein super Stellungsspiel, er wusste stets, wo der Ball hinkam, und kam deshalb fast ohne Fouls aus.
„Henner“ Heise – war ein absoluter Teamplayer, gab immer für seine Mannschaft das letzte Hemd und ein wichtiger Spieler für die Kabine.
Mittelfeld:
Heinz Kraschewski – brillanter Zweikämpfer mit einer super Grätsche.
Olaf Bedey – sein linker Schuss hatte eine Ur-Gewalt, er schoss viele Tore aus der zweiten Reihe und gab keinen Zweikampf verloren.
Fritz Brinkel – ein echtes Laufwunder, war der Motor des TuS-Spiels.
Dieter Brachvogel – obwohl unser Spielmacher beim TuS Hessisch Oldendorf ging er keinem Zweikampf aus dem Weg.
Günther König – war auf der Sechs der Lenker und Denker im TuS-Spiel.
Michael Voigt – war über Jahre der Führungsspieler beim SCR, sehr spielintelligenter Mittelfeldspieler, Freistoßspezialist und mit einem extrem harten Schuss ausgestattet.
„Heinzi“ Gerull – ein überragender Dribbler, aus der Tiefe kommend war er nicht zu stoppen, zudem noch sehr spiel- und kopfballstark.
Stürmer:
Thomas Bedey – „Hase“ war sehr torgefährlich und dribbelstark und brillierte mit einem starken Durchsetzungsvermögen.
Dieter Lohse – der „Boss“ war ein bulliger Mittelstürmer wie Horst Hrubesch vom HSV, hatte einen richtigen Bumms im Bein und machte Tore wie am Fließband.
Rolf Neumann – der Linksaußen des TuS hatte ein Wahnsinns-Ballgefühl und schlug traumhafte Flanken.
Uwe Homeier – das „Kopfballungeheuer“ des SCR, er war ein richtiges „Kampfschwein“, haute sich in jedem Spiel voll rein.
Wolfgang „Luffi“ Korff – ein „Flankengott“ und überragender Linksaußen, dagegen gab es den rechten Fuß bei ihm nur, damit er nicht umfällt.
Trainer:
Helmut Wirausky – er entwickelte jeden Spieler weiter, gab einem Selbstvertrauen und war sehr ruhig und ausgeglichen.
Manfred „Manni“ Kühne – ein „Taktik-Fuchs“, hatte immer eine passende Idee, setzte auf mich als junger Spieler beim TuS, wir hatten eine gute Vertrauensbasis.
Jochen Lange – hatte immer ein offenes Ohr für seine Spieler und das nicht nur im sportlichen Bereich.
Betreuer:
Dieter „Theo“ Merchel – war zu 100 % zuverlässig und immer für seine Spieler und seinem Verein, den SC Rinteln da.
Wilhelm Depping – war ein super Typ, sehr zurückhaltend, las aber seinen Spielern des TuS Hessisch Oldendorf jeden Wunsch von den Lippen ab.

Nach seinem Ruhestand greift die Sportkanone nun zum Tennis- und Golfschläger.
Nach seinem Ruhestand greift die Sportkanone nun zum Tennis- und Golfschläger.