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Kirstin Voß ist eine Handballerin durch und durch

Kirstin Voß ist eine Handballerin durch und durch

Foto: Kirstin Voß trägt das Dress der HSG Exten-Rinteln seit 2004.

Handball. Kirstin Voß ist seit vielen Jahren aus der Mannschaft der HSG Exten-Rinteln nicht wegzudenken. Die 44-Jährige besticht mit großem Spielverständnis, hat ein sehr gutes Deckungsverhalten und geht als Kreisläuferin dahin, wo es weh tut. „Tiffi“ – wie sie von ihren Mannschaftkolleginnen gerufen wird – lernte das Handballspielen von der Pike auf. Bis zum 15. Lebensjahr betrieb Voß den Handball bei der BSG Schifffahrt und Hafen Rostock als Leistungssport. Weitere Stationen in ihrer Karriere waren der PSV Rostock und die HSG Pädagogik Rostock. Im Sommer 2004 zog es die Verwaltungsangestellte in die Weserstadt und so heuerte Voß bei der HSG Exten-Rinteln an. „Tiffi ist ein herzensguter Mensch, hat stets ein offenes Ohr für ihre Mitspielerinnen und ist eine echte Teamplayerin. Zudem ist sie sehr ehrgeizig und unverzichtbar für unsere Mannschaft“, lobt Svenja Timm ihre langjährige Mitspielerin. Rinteln-Sport stellt die top-ausgebildete Vollbluthandballerin mit elf persönlichen Fragen näher vor.


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„Tiffi“ lernte das Handballspielen bei der BSG Schifffahrt und Hafen Rostock und stand auch im Tor.
„Tiffi“ lernte das Handballspielen bei der BSG Schifffahrt und Hafen Rostock und stand auch im Tor.

Wie bist du zu deiner Sportart gekommen?
In meiner Kindheit sind die verschiedenen Sportvereine in die Schulen gekommen und haben sich bei den Schülerinnen und Schülern der 1. Klassen vorgestellt. So konnte jedes Kind mal in die verschiedenen Sportarten „reinschnuppern“. Ich war klein und flink und hatte mir zunächst die Sportart Leichtathletik angeschaut. Allerdings merkte ich recht schnell, dass ich lieber mit mehreren Kindern zusammen sein möchte und so stand die Entscheidung für mich fest: Ich gehe zum Handball.

In welchem Alter hast du mit deiner Sportart begonnen?
So bin ich mit 6 Jahren zum Mannschaftssport Handball gekommen.

In welchem Verein?
Ich habe meine Kinder- und Jugendlaufbahn bis zum 15. Lebensjahr bei der BSG Schifffahrt und Hafen Rostock (SHR) verbracht und Handball als Leistungssport betrieben. Ich habe auch hin und wieder mal im Tor gestanden. Letztlich war ich aber auf dem Feld irgendwie besser aufgehoben. Meine Stammposition war Linksaußen. Nach der Wende hat sich auch im Sport vieles verändert und so löste sich leider auch mein damaliger Verein auf. Als Jugendliche bin ich dann zum PSV Rostock und später zur Damenmannschaft der HSG Pädagogik Rostock gewechselt – hier wurde ich zur Kreisläuferin „umfunktioniert“.

Wann bist du in die Frauenmannschaft gewechselt?
Im Sommer 2004 bin ich aus persönlichen Gründen nach Rinteln gezogen und habe mich bei den Damen - mit dem damaligen Trainer Bernd Waldera - der HSG Exten-Rinteln angemeldet. Ich wurde dort sehr herzlich aufgenommen, sodass mir der Einstieg sehr leicht viel. Ich fühle mich sehr wohl bei den „Mädels“. Auch wenn es zwischenzeitlich immer wieder personelle Veränderungen gab, sind wir ein gutes kollegiales Team geblieben – das „Miteinander und Füreinander da sein“ ist das, was unsere Mannschaft ausmacht. Sicherlich hatte auch unser langjähriger Trainer Saulius Tonkunas einen großen Verdienst daran. Natürlich gibt es immer mal wieder auch Reibungspunkte, die aber in der Regel gemeinschaftlich geklärt werden können. Auch außerhalb der „Platte“ unternehmen wir viel zusammen. Selbst unsere ehemaligen Spielerinnen, die entweder aus alters-, privaten oder gesundheitlichen Gründen aufgehört haben, sind oft dabei und es ist immer sehr lustig. Das stärkt den Zusammenhalt noch weiter. So sind darüber hinaus auch langjährige Freundschaften entstanden.

Was sind deine Stärken und Schwächen?
Ich bin ein Teamplayer, ehrgeizig und versuche immer, im Sinne der Mannschaft zu agieren. Allerdings geht hin und wieder meine Impulsivität auf dem Feld mit mir durch – da kennen die Mädels und Trainer was von. Ich weiß zwar, dass ich damit manchmal etwas über das Ziel hinausschieße, aber ich bin halt durch und durch Handballerin. Sportlich gesehen bin ich sicherlich nicht die Schnellste auf dem Feld – manchmal laufen mir die Gegnerinnen in der Rückwärtsbewegung schon mal weg. In der Abwehr kann ich aber schon mal kräftig zupacken. Ich habe, glaube ich, auch ein recht gutes Auge für meine Mitspielerinnen und versuche sie, immer gekonnt in Szene zu setzen. Für mich zählt letztlich immer die geschlossene Mannschaftsleistung. Denn: Eine alleine kann kein Spiel bestreiten. Jede einzelne Spielerin trägt ihren Teil zum Endergebnis des Spiels bei. Mal gewinnt man und freut sich zusammen, aber auch Niederlagen erträgt man gemeinsam.

Doch schnell wechselte sie ins Feld und ging als Linksaußen auf Torejagd.
Doch schnell wechselte sie ins Feld und ging als Linksaußen auf Torejagd.

Wer sind deine kongenialen Mitspieler?
Seit ich bei der HSG Exten-Rinteln spiele, war Kirsten Chmelnik in ihrer aktiven Zeit eine geniale Mitspielerin. Sobald sie über ihre halb-linke Position Anlauf nahm, wusste ich genau, wo ich mich am Kreis hinzustellen hatte. Und Kirsten wusste meist instinktiv, wohin sie, die oft blinden Pässe spielen musste, sofern sie nicht selbst zum Torwurf kam. So hatten wir gemeinsam einige schöne Tore produziert. Sehr gerne denken wir an die Überschrift eines Zeitungsartikels aus der Vergangenheit zurück: „Achse mit Chmelnik und Voß überragend“. Aber auch mit Svenja Timm ergänze ich mich prima. Mit ihr bilde ich den Mittelblock in der Abwehr. Im Angriff schlägt Svenja ihre „Haken“ vor der gegnerischen Abwehr, dann muss ich am Kreis nicht im Weg „rumstehen“. Und dann ist da noch Nadia Lampe. Sie versteht es mit ihrer perfekten 1-gegen-1-Bewegung die Gegner auszutänzeln.

Was war dein sportlich größter Erfolg?
Im Laufe meiner nunmehr schon recht langen Handballkarriere habe ich einige sportliche Erfolge feiern dürfen. Prägend dabei waren sicherlich in meiner Kinder- und Jugendzeit die Spartakiade-Siege. Das waren jährlich stattfindende Kinder- und Jugendmeisterschaften in der ehemaligen DDR. Aber auch der Aufstieg 2011 von der WSL-Liga in die WSL-Oberliga mit unserem damaligen Trainer Saulius Tonkunas war ein großer Erfolg.

Gibt es ein sportliches Erlebnis, das dir immer in Erinnerung bleiben wird?
Eigentlich kann ich kein bestimmtes Erlebnis benennen, denn irgendwie bleiben doch viele im Gedächtnis. Davon möchte ich keines missen. Ob Siege oder Niederlagen – sie gehören zum Sport dazu. Persönlich würde ich mich freuen, wenn ich noch viele weitere sportliche Erlebnisse haben darf. Ich möchte so lange Handball spielen, wie es die Knochen mitmachen und so lange es eben geht. Man wird ja nicht jünger. Leider gibt es in unserem Damenbereich keine „Alt“-Mannschaft, sonst wäre das bestimmt eine gute Alternative.

Was machst du in deiner Freizeit?
Normalerweise ist es das Handballspielen, was meine Freizeit gut ausfüllt, mit Training zweimal in der Woche und Punktspielen am Wochenende. Nebenbei bin ich auch einmal in der Woche in einer „Fußball-Thekentruppe“ mit Freunden aktiv, die Spaß an Bewegung haben. Dann spielen wir meistens Fußballtennis. Durch Corona ist ja im Moment leider alles anders, aber die Maßnahmen sind notwendig. Mir fehlt die Mannschaft, das Training, der Hallengeruch – einfach alles. So habe ich eine für mich völlig neue Richtung als Ausgleich zur Büroarbeit entdeckt: Ich gehe Wandern und fahre Mountainbike. Als Übergang tut der „Draußen-Sport“ zwar gut, um nicht total einzurosten, aber ich hoffe, dass der Hallensport-Spielbetrieb doch bald wieder starten kann. Denn ich glaube, dass wir mit unserem neuen Trainer Felix Kortemeier neuen Schwung und Auftrieb in der Mannschaft haben werden.

Wie sieht dein Dream-Team aus?
Meine aktuelle Mannschaft ist ein Dream-Team! Ich persönlich finde den Mix mit „jungen“ und „alten“ Spielerinnen gut und wichtig; jede Einzelne hat ihren Anteil am Mannschaftsgefüge und man kann immer wieder voneinander lernen und sich aufeinander verlassen. Dennoch würde ich gerne nochmals mit den ehemaligen Spielerinnen wie Kirsten Chmelnik, Petra Bode-Heim, Sina Hücker, Coralie Wolter, Ariane Klaue, Denise Hauptmann und Miriam Kortemeier unter der Leitung von Saulius Tonkunas zusammenspielen wollen.

Auch heute noch ist die 44-Jährige nicht aus der Mannschaft der HSG Exten-Rinteln wegzudenken.
Auch heute noch ist die 44-Jährige nicht aus der Mannschaft der HSG Exten-Rinteln wegzudenken.